Studium

Studium von Achim Reichert an der Universität zu Köln
Hauptgebäude der Universität zu Köln, wo Achim Reichert 1960 - 1969 studiert und promoviert hat. (Foto: Blackosoda/ fotolia.com/ 44293103)
Studienbuch von Achim Reichert
Studienbuch von Achim Reichert, in dem die besuchten Vorlesungen und die geleisteten Studiengebühren testiert wurden.

Während viele jungen Leute vor dem Abitur noch keine konkreten Vorstellungen haben, was sie mal werden wollen, wusste ich das schon Jahre vorher: Ich wollte Physiker werden. Das Buch von Ernst Zimmer "Umsturz im Weltbild der Physik" habe ich geradezu verschlungen.

 

Ich wusste, dass man dazu gute bis sehr gute mathematische Fähigkeiten haben sollte. Und gerade darüber verfügte ich nicht. Beim Vordiplom hätte mir das fast "das Genick gebrochen". Mein Glück war, dass wir vom Gymnasium her zu viert waren, aus vier Parallelklassen, die das Abitur machten. Und einer davon war geradezu ein mathematisches Genie. Der ehemalige Mitschüler, der uns vieles erklärt hat, war so gut, dass er sogar einem der Mathematikprofessoren, der selber ein Ass war, nachgewiesen hat, dass eine seiner Beweisführungen nicht stichhaltig war.

 

Nach dem Vordiplom im Jahre 1964 (Prüfungsfächer: Experimentalphysik, Theoretische Physik, Mathematik, Chemie) spezialisierte ich mich auf Geophysik und besuchte diesbezügliche Vorlesungen und Seminare. Da es zu dieser Fachrichtung damals noch keine Prüfungsordnung gab, konnte ich auf diesem Gebiet keine Diplomprüfung ablegen. Ich bewarb mich daher bei Prof. Dr. H.K. Paetzold, Ordinarius für Geophysik und Meteorologie und Leiter der gleichnamigen Instituts der Universität, um ein Thema für eine Doktorarbeit, die ich im Mai 1965 begann und vier Jahre später erfolgreich beendete. Gesamtbewertung für Dissertation und mündliche Prüfung: Gut.

 

Für diese Arbeit musste eine Peilstation auf einem gepachteten Gelände am Stadtrand von Köln errichtet werden, das weithin frei von Gebäuden und Bäumen war und vorher auf die Homogenität der Bodenbeschaffenheit untersucht worden war. Je nach zeitlicher Lage der Satellitenpassagen waren vielfach auch Nachtmessungen erforderlich. Es wurde eine neue Art periodischer Azimutabweichungen entdeckt, die bisher aus der einschlägigen Fachliteratur nicht bekannt war. Sie zu deuten und den Zeitpunkt der genauesten Peilung zu bestimmen, war Gegenstand meiner Arbeit.

 

Beim Dissertationsthema "Azimutabweichungen bei Satellitenpeilungen" kam mir dreierlei zugute:

 

  • Mein Doktorvater und sein Assistent Zschörner, damals noch im Max-Planck-Institut für Stratosphärenforschung in Weissenau bei Ravensburg, hatten mit einem ähnlichen Gerät schon erste Erkenntnisse aus Satellitenpeilungen in den Jahren 1957 - 1960 im Telefunken-Testgelände in Ulm gewonnen.
  • Ich verfügte bereits über Erfahrungen mit Funkbeobachtungen sowjetischer Erdsatelliten im Kurzwellenbereich, wozu ich Bahndaten von der amerikanischen Weltraumbehörde NASA bezog. Die Beobachtungsergebnisse dieser Station fanden u.a. in der Doktorarbeit meines Studienkollegen Axel Köhler Verwendung.
  • Durch Axel Köhler wiederum konnte ich auf ein EDV-Programm zur Berechnung der Bahndaten künstlicher Erdsatelliten zurückgreifen, das auf dem gemeinsamen Rechenzentrum der Universitäten Köln und Bonn in Bonn lief. Hierfür musste ich die Programmiersprache FORTRAN für wissenschaftliche Anwendungen erlernen.
Doktorarbeit von Achim Reichert 1969
Doktorarbeit von Achim Reichert 1969
Promotionsurkunde für  Achim Reichert: "Azimutabweichungen bei Satellitenpeilungen"
Promotionsurkunde für Achim Reichert 1969

In seiner abschließenden Gesamtbeurteilung vom 20.05.1969, die auch meine erste Satellitenbeobachtungsstation, Arbeiten für das geophysikalische Institut und die Mitwirkung bei der Ausstellung "Mensch und Weltraum" im Kölner Messegelände einschloss, schrieb Prof. Paetzold: "Herr Reichert hat damit Initiative und Vielseitigkeit bewiesen, die über die Anforderungen einer Promotionsarbeit hinausgehen."