Alexander Reichert, unser Sohn

Alexander Reichert an seinem Arbeitsplatz als Grafik- und Webdesigner.
Alexander Reichert an seinem Arbeitsplatz als Grafik- und Webdesigner im Januar 2017.
SGD-Diplom "Grafikdesign am PC" für Alexander Reichert
Diplom der Studiengemeinschaft Darmstadt für seinen 1. Fernlehrgang "Grafikdesign am PC".
  • geb. 1973 in Nürnberg, ledig
  • 1985 an Leukämie erkrankt. Mehrjährige Therapie am Universitätsklinikum Hamburg mit schweren Folgeschäden.
  • In dieser Zeit kein Schulbesuch. Stattdessen
    - Hausunterricht im Auftrag
       der Hamburger Schulbehörde
    - Staatl. anerk. Fernlehrgang
    - Privatschule Hermanneum.
  • 1995 Realschulabschluss als Fremdenprüfung der Hamburger Schulbehörde
  • 2000 Abschluss der Höheren Handelsschule Hamburg-Altona als schulische Voraussetzung zur Erlangung der Fachhochschulreife
  • Einjähriges Industriepraktikum bei AstraZeneca, Wedel, als weitere Voraussetzung zur Erlangung der Fachhochschulreife
  • 2001 Bescheinigung der Fachhochschulreife durch die Hamburger Schulbehörde
  • 2008 Diplom zum Fernlehrgang "Grafikdesign am PC" der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD); Note: Sehr gut
  • 2009 - 2012 Mitgesellschafter der A. Reichert - Atelier für Mediengestaltung GbR, zusammen mit mir
  • Nach Geschäftsaufgabe Absolvierung des Fernkurses "Geprüfter Webdesigner (SGD)" der Studiengemeinschaft Darmstadt; Note: Sehr gut
  • Seit Oktober 2015 selbstständig als Grafik- und Webdesigner.

 

Hier finden Sie die neue geschäftliche Homepage von Alexander Reichert, mit der er seit 1. Oktober 2015 wieder beruflich tätig ist. Auf ihr finden Sie auch etliche Arbeitsbeispiele.

Für das Leben entschieden

Alexander hatte als Kleinkind großen Liebreiz und uns als Eltern viel Freude bereitet. Ich wollte ihm ein guter Vater sein und meiner Frau, so gut es ging, helfen. Als sie mit dem Baby von der Klinik nach Hause kam, waren im Kinderzimmer schon alle Vorbereitungen für einen reibungslosen Ablauf getroffen, incl. einer Tagesration Milchfläschchen. Rationalisierung gehörte schließlich mit zu meinen beruflichen Aufgaben. So blieben meiner Frau die Tränen erspart, die junge Mütter vielfach in den ersten Tagen weinen, wenn sie sich überfordert fühlen. Meine Frau und ich hatten sich die Arbeit so eingeteilt: Wenn´s draußen hell war, war sie dran, wenn´s dunkel wurde, ich.

 

Leider trübte sich das herzliche Verhältnis zwischen Vater und Sohn in den Folgejahren ein. Das lag, etwas allgemein ausgedrückt, daran, dass Väter nicht immer nur lieb und nett sind, sondern mitunter Leistungserwartungen und Beurteilungsmaßstäbe haben, die als zu hoch oder ungerecht empfunden werden.

 

Richtig ernst wurde es im ersten Jahr auf dem Gymnasium. Seine Klassenlehrerin sprach uns an, dass Alexander im Unterricht regelrecht einschläft. Ob das Kind etwa zu wenig Schlaf hätte. Dem war natürlich nicht so. Zunächst dachten wir, er fühle sich dort überfordert, und schickten ihn stattdessen auf ein Privatgymnasium. Zunächst half das auch, bis er krank wurde. Nicht schlimm, scheinbar nur eine Erkältung, die unser Kinderarzt aber nicht in den Griff bekam. Als er sich keinen Rat mehr wusste, überwies er Alexander in eine Kinderklinik, die akute lymphatische Leukämie diagnostizierte und ihn an die Hamburger Universitäts-Kinderklinik überwies.

 

Selbst Zuschauer der José Carreras Spendengala können nur ahnen, in welche Tiefen seines noch jungen Lebens eine solche Krankheit Kinder und Jugendliche stößt. Die von heute auf morgen keine Freunde und Klassenkameraden mehr empfangen dürfen, die sich schmerzhaften Untersuchungen und Behandlungen unterziehen müssen, deren Sinn sie kaum verstehen, und die mit teils so gravierenden Nebenwirkungen zu tun haben, dass sie an der Sinnhaftigkeit des Ganzen zu zweifeln beginnen. Und die mitbekommen, dass nicht jeder Mitpatient diese Krankheit überlebt. Mitpatienten, die genauso gehofft haben wie sie. Auch Alexander hätte diese schlimme Krankheit um´s Haar nicht überlebt, hätten nicht die Ärzte in Unkenntnis der Ursache intuitiv das Richtige getan. Kaum gelebt mit dem Tod konfrontiert zu werden, ist eine unvorstellbare psychische Belastung. Sie verändert die jungen Patienten und lässt sie vorzeitig erwachsen werden, ohne die Zeit zur Reife gehabt zu haben.

 

Was meine Frau in dieser schwierigen Zeit für Alexander getan hat, können Sie ihrer Seite Ehefrau Gerlinde Reichert entnehmen.

 

Nicht nur Alexander hat über den Sinn und die Erfolgschancen der ganzen Tortur nachgedacht, wenn er aus seinem Bett stundenlang grübelnd die Zimmerdecke anstarrte. Als Eltern haben wir uns natürlich auch immer wieder gefragt, was wir ihm da alles zumuten. Es hat unsere Selbstzweifel entlastet, als Alexander eines Tages meiner Frau als Ergebnis all seines Grübelns sagte, er wolle unter allen Umständen gesund werden und nicht aufgeben. Er hatte sich für das Leben entschieden. Eine unverzichtbare Voraussetzung für den Heilungserfolg.

 

Als Eltern beschäftigten uns natürlich auch längerfristige Überlegungen: Wie gesund und wie belastbar wird er dann sein? Was wird an Therapieschäden dauerhaft bleiben? Wie kann er die vielen Jahre fehlenden Schulbesuchs aufholen? Wird er beruflich mal seinen Mann stehen können? Schließlich hat er als Folge von Therapieschäden jahrelang im Rollstuhl gesessen und anschließend viele Jahre lang zur Schonung geschädigter Gelenke Krücken benutzt.

 

Zurück im Leben

Wie Sie seiner Vita entnehmen können, hat Alexander mit der Fachhochschulreife einen durchaus respektablen Schulabschluss erreicht. Und mit der sehr guten Absolvierung von zwei staatlich anerkannten Fernlehrgängen Eigeninitiative bewiesen und eine zeitgemäße Berufsqualifikation erworben. 

 

Zwar gibt es heute viele Autodidakten, von denen Freunde, Verwandte und Bekannte behaupten, dass sie "auch so was könnten". Alexander hat das aber systematisch in staatlich überprüften Lehrgängen gelernt und in Prüfungen das Erlernte unter Beweis gestellt: Beides Mal mit der Note "Sehr gut". Nach der Prüfungsarbeit zum Webdesigner hat sein Betreuer sogar in einem persönlichen Brief seine Abschlussarbeit besonders gewürdigt.

 

Alexander ist nun seit Oktober 2015 in Bad Dürrheim/ Schwarzwald-Baar-Kreis als Designer für Grafik, Web und Video selbstständig. In Bad Dürrheim wohnen wir seit Mitte 2010. Folgende Beispiele zeigen, was er inzwischen so drauf hat:

 

 

Stand: 28.12.2017