Schule

Achim Reichert 1959 in der Volksschule
1950 in der Volksschule Köln-Holweide, Neufelder Straße, mit unserer Klassenlehrerin Frl. Hamm. Ich bin in der dritten Reihe von vorne der dritte Junge von rechts.
Achim Reichert 1950
Im gleichen Alter und mit gleicher Kleidung wie auf dem Gruppenbild

Ich wurde im Alter von 5 Jahren, kurz bevor ich 6 wurde, in Köln-Holweide eingeschult. Zunächst in der Volksschule Neufelder Straße, später dann wegen Änderung der räumlichen Zuordnung in der Johann-Bensberg-Straße.

 

Der anschließende Besuch einer weiterführenden Schule war damals eine Ausnahme. Schließlich gab es genügend Berufe, die man mit abgeschlossener Volksschule ergreifen konnte. Insofern war es nicht ungewöhnlich, dass meine Eltern unsere frühere Klassenlehrerin Frl. Hamm fragten, ob ich denn wohl die Aufnahmeprüfung für´s Gymnasium schaffen könnte. Ihre Antwort haben meine Eltern später oft zitiert: "Wenn der Junge das nicht schafft, setze ich mich selbst nochmal in die Schulbank."

 

50 Jahre nach Einschulung haben sich viele ehemaligen Klassenkameraden mit unserer Klassenlehrerin getroffen. Sie war inzwischen über 90 Jahre alt, nicht mehr die große stolze Frau wie auf dem Gruppenbild oben, aber geistig noch sehr rege. Schwer vorstellbar, aber sie behauptete, sich noch an mich zu erinnern. Und es hatte in der Tat den Anschein. Ich habe als kleiner Bub von ihr geschwärmt und ihr viel zu verdanken. Nach diesem Wiedersehen haben wir bis zu ihrem Tode in Briefkontakt gestanden.

Abiturzeugnis von Achim Reichert
Kopf des Abiturzeugnisses. Das graue Farbe des Vordrucks ist leider schlecht reproduzierbar.

Wie von meiner ehemaligen Volksschullehrerin Fräulein Hamm vorhergesagt, bestand ich die Aufnahmeprüfung und besuchte von 1951 - 1960 das Städt. Naturwissenschaftliche Gymnasium in meinem Geburtsort Köln-Mülheim.

 

Durch Kriegsfolgen bedingt mussten wir uns die ersten Jahre das Gebäude mit dem Lyzeum Genovevastraße in Schichtunterricht teilen. In der Untertertia konnten wir dann einen Neubau in der Düsseldorfer Straße beziehen, traumhaft direkt am Rhein gelegen.

 

Paradoxerweise tat ich mich in der zweiten Hälfte der Gymnasialzeit leichter als in der ersten. Das lag auch daran, dass mir sowohl der Schulstoff als auch die Lehrkräfte in der zweiten Hälfte erheblich besser lagen als in der ersten. Ich empfand auch das Sozialgefüge und die schulischen Leistungen der Klasse in der zweiten Hälfte homogener als zuvor. Wir hatten keinen Klassenprimus mehr wie in Sexta und Quinta, der in Tränen ausbrach, wenn er mal in einer Klassenarbeit nur eine "3" bekam.

 

Nach damaligen Maßstäben hatte ich ein recht ordentliches Abiturzeugnis. Es lag schätzungsweise im oberen Drittel der Klasse. Nach heutigen Maßstäben würde ich in vielen Fächern am Numerus Clausus scheitern, der damals eher die Ausnahme war. Hier die Noten:

 

  • 1 x 1: Geschichte
  • 7 x 2: Latein (Pflicht), Physik,Biologie, Erdkunde, Religion, Musik, Kunst
  • 6 x 3: Latein (Wahl), Deutsch, Englisch, Mathematik, Chemie, Philosophie
  • 1 x 4: Sport

 

In dem Glauben, Latein sei schwer und sollte deshalb für mich nicht im Abitur vorkommen, hatten meine Eltern mich mit Latein als erster Fremdsprache eingeschult. Dann wäre ich in der Obersekunda damit fertig gewesen. Sie konnten nicht ahnen, dass ich mich mit Latein leicht tat und es deshalb anschließend als Wahlfach bis zum Abitur nahm.

 

Vier Lehrer möchte ich besonders hervorheben:

 

  • Oberstudiendirektor a.D. Dr. Dr. Holöhr: Ein begnadeter Pädagoge. Wir hatten bei ihm Latein und Mathematik und er war mehrere Jahre unser Klassenlehrer. Er verteidigte die ungewöhnliche Fächerkombination damit, beides sei logisch. Deshalb verstand er auch nicht, weshalb ich mich mit Mathematik ungleich schwerer tat als mit Latein. Sein besonderes Verdienst um mich: Als ich in der Mittelstufe mal eine Zeit lang in mehreren Fächern auf "4" stand und meine Mutter ihn am Elternsprechtag um Rat fragte, erstaunte er sie mit der Diagnose, dass es nicht am Fleiss oder am Können liege. Ob es irgend etwas gäbe, was mir Freude machen würde, mich auf andere Gedanken brächte und Anspron wäre. Da fiel meiner Mutter ein, dass ich vom letzten Tag der Offenen Tür begeistert vom Hobby eines Oberstufenschülers berichtet hätte: Amateurfunk. Dann solle sie mir das ermöglichen, riet Dr. Holöhr. Und so kam ich zum Amateurfunk.
  • In der Oberstufe war Oberstudienrat Koch unser Klassenlehrer. Bei ihm hatten wir Mathematik und Physik. Als er hörte, dass ich nach dem Abitur Physik studieren wollte, nahm er mich in diesem Fach besonders häufig dran, was meinen Abiturleistungen zugute kam.
  • Bei Oberstudienrat Hamann hatten wir Englisch und Geschichte. Ihm ist zu verdanken, dass er den Mut hatte, im Geschichtsunterricht nicht die Zeit des "Dritten Reichs" auszublenden, wie es meist an deutschen Schulen getan wurde, sondern diese Zeit aus eigenem Erleben anschaulich und viel Hintergrundwissen uns nahezubringen. Er hatte überhaupt die Gabe, den Unterrichtsstoff mit viel angelesenem Hintergrundwissen interessant zu gestalten und nicht nur Ereignisse und Jahreszahlen zu pauken. Ihm verdanke ich mein großes Interesse für Gegenwartskunde und Politik, was sich in jahrelanger Note 1 und späterem politischen Engagement niederschlug.
  • "Last not least" hatten wir in der Mittelstufe einen Religionslehrer, dessen Namen ich leider vergessen habe. Doppelt promoviert: Dr. theol. und Dr. phil., ein "kluges Haus". Eine Aussage von ihm werde ich nie vergessen, sie habe ich seither oft zitiert: "Mit dem Lehrgebäude der Theologie kann ich Euch beweisen, dass es Gott geben muss. Mit dem Lehrgebäude der Philosophie, dass es ihn gar nicht geben kann."

 

Achim Reichert mit Vater Günter
Vater (47) und Sohn (18) nach der Abiturfeier 1960. "Wenn schon, denn schon." Aber für ihn musste das nicht sein.
Achim Reichert Abitur 1960
Collage in Schiffsform: Meine Klasse mit Klassenlehrer Koch zum Abitur. Meinen Kopf finden Sie im Bug (2. von rechts).
Achim Reichert zum Abitur mit Mutter Margot
Meine Mutter (47) mit "ihrem Abiturienten" (18). Ihr verdanke ich, dass ich es machen durfte.