Satellitenbeobachtung in Köln

Achim Reichert bei der Satellitenbeobachtung in Köln
Teilansicht der von Achim Reichert betriebenen Satellitenbeobachtungsstation am Stadtrand von Köln
Achim Reichert bei einer Fernsehreportage über seine Satellitenbeobachtung
Achim Reichert bei einer Fernsehreportage. (Foto: Günter Doebel)

Als Funkamateur fing alles an. Im Frühjahr 1962 habe ich begeistert festgestellt, dass es mit meinen ursprünglich bescheidenen Mitteln möglich war, die Funksignale sowjetischer Erdsatelliten auf 20 MHz zu empfangen. Seit dem Start von Sputnik I, dem ersten künstlichen Erdsatelliten überhaupt, waren zwar schon 5 Jahre vergangen. Aber es war noch immer Neuland, wie mir das große Interesse der Medien zeigte.

 

Es war mir weder technisch möglich, noch war ich befugt, die Inhalte der Telemetriesignale zu entschlüsseln. Mir hat es schon genügt, die so genannten Radiohorizonte der Satellitensignale sekundengenau zu erfassen, also die Zeiten, zu denen die Satellitensignale hörbar werden und später wieder verstummen. Später kam noch die Registrierung der Feldstärkeschwankungen hinzu, die durch den Faraday-Effekt bedingt sind. Beides zusammen erlaubt Rückschlüsse auf den Zustand der Ionosphäre, die in einer Höhe von 80 km über der Erde beginnt und ihre größte Elektronendichte in ca. 300 km Höhe hat.

 

Ich begann schon sehr früh damit, diese Messungen sehr systematisch durchzuführen und wissenschaftlichen Zwecken zuzuführen. Um zu statistisch relevantem Material zu kommen, war es notwendig, möglichst viele Satellitenpassagen zu erfassen und nicht nur dann und wann mal, wenn man dazu Zeit und Lust hatte. Das war häufig auch mit Nachtarbeit und wenig Schlaf verbunden, was eine robuste Gesundheit voraussetzt und man auf Dauer nicht einfach so wegsteckt.

 

Neben dem wissenschaftlichen Nutzen meiner Tätigkeit war die intensive Medienberichterstattung für mich nicht nur eine Begleiterscheinung, sondern hoch willkommen, um die Weltraumforschung einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen: Die neuen Möglichkeiten, Erkenntnisse und ihr Nutzen.

Die Stadt Köln verweigert der von Achim Reichert initiierten Satellitenbeobachtung weitere finanzielle Unterstützung
Kein Geld mehr von der Stadt Köln. Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers vom 14. Januar 1965.

Insofern war es konsequent, die Nähe zur Volkssternwarte Köln zu suchen und die Satellitenaktivität zum Januar 1963 dort anzugliedern. Denn auch die Bochumer Satellitenbeobachtung, die uns um Jahre voraus war, hatte die Volkssternwarte Bochum als Träger.

 

Es gelang uns aber leider gemeinsam nicht, die Stadt Köln für ein ähnliches Engagement zu gewinnen, wie es Heinz Kaminski in Bochum gelungen war. Zwar bewilligte Oberstadtdirektor Adenauer im Februar 1964 einen Zuschuss in Höhe von 1.000,-- DM zu den Betriebskosten, wollte sich aber darüber hinausgehend nicht engagieren.

Von Achim Reichert initiierte Satellitenbeobachtung in Köln, Messestand auf der Ausstellung "Mensch und Weltraum"
Satellitenbeobachtung in Köln: Stand auf der Ausstellung "Mensch und Weltraum"

Als die Stadt Köln im Folgejahr selbst diesen vergleichsweise kleinen Betrag nicht mehr bereitstellen wollte, mussten wir uns nach einem neuen Träger umschauen.

 

Im Juni 1965 kam es dann mit Hilfe uns wohl gesonnener Herren zur Gründung der Gesellschaft für Satelliten-beobachtung e.V. Zwar beteiligten wir uns im April 1966 noch mit einem eigenen Stand an der Ausstellung "Mensch und Weltraum". Enttäuscht über die Haltung der Stadt Köln sollte aber die Gewinnung wissenschaftlich verwertbarer Daten unsere Hauptaufgabe sein.

 

Mit dieser Zielsetzung wandten wir uns an den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfallen mit der Bitte um Unterstützung. Ein dadurch initiiertes Gespräch im Landesforschungsamt ließ aber schon bald erkennen, dass auch von dort keine Unterstützung zu erwarten ist.

 

Erschwerend kam hinzu, dass auch unsere Arbeit im bisherigen Rahmen durch einen leistungsstarken Telexsender aus Afrika lange Zeit unmöglich wurde, da er genau auf der Satellitenfrequenz 20 MHz arbeitete. Verständlicherweise erlahmte dann auch das Interesse unserer Mitglieder.

 

Sie folgten dann Anfang 1968 dem Antrag des Vorstandes, die Gesellschaft aufzulösen, da es trotz erheblicher Anstrengungen nicht gelungen ist, der Gesellschaft eine tragfähige Basis für ihre satzungsgemäßen Aufgaben zu geben. Der Satzung der gemeinnützigen Vereinigung entsprechend gingen die verbliebenen Geld- und Sachwerte an die Universität zu Köln.

 

Allen, die ...

  • bei dieser Tätigkeit mitgewirkt,
  • sie direkt oder indirekt unterstützt,
  • als Journalist darüber berichtet und
  • letztlich mit mir versucht haben,

mehr daraus zu machen und das Ganze auf eine professionelle, dauerhafte Basis zu stellen, möchte ich auch an dieser Stelle nochmals meinen allerherzlichsten Dank aussprechen. Vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere an diese Zeit, sucht danach im Internet und findet diese Zeilen.