Meine Eltern


Günter und Margot Reichert

 

  • geboren 1913 in Köln,
    Vater am 20.02., Mutter am 22.02.
  • geheiratet am 20.03.1937
    im Kölner Dom
  • 16.04.1941 Geburt von mir als einzigem Kind
  • beide kaufmännische Ausbildung
  • Vater viele Jahre Handelsvertreter,
    vor dem Krieg in Versicherungen,
    danach in NE-Metall-Halbzeugen,
    später auch Kunststoff-Halbzeugen
  • 1954 Bezug eines frei stehenden Einfamilienhauses am Rande des Königsforstes in Köln-Rath
  • Ab 1957 zunächst zusätzlich, später ausschließlich selbstständig als Großhändler in technischen Kunststoff-Halbzeugen. Gemeinsam mit meiner Mutter als Prokuristin.
  • Mutter verstorben am 02.10.1982, beigesetzt auf dem Friedhof Köln-Rath.
  • 1989 heiratete mein Vater in Ortenberg (Wetteraukreis/ Hessen) seine zweite Frau Eva-Maria Reichert geb. Wolf, die ihre Tochter Rebecca mit in die Ehe brachte
  • Vater verstorben am 21.03.1998, beigesetzt neben meiner Mutter auf dem Friedhof Köln-Rath
Günter und Margot Reichert in Köln-Rath an Silvester.
Meine Eltern an Silvester. Jahr unbekannt
Margot Reichert, Köln-Rath, an ihrem Schreibtisch (1961).
Meine Mutter an ihrem Schreibtisch (1961).
Lager Großhandel Reichert in Kunststoff-Halbzeugen in Köln-Rath
Teilansicht unseres Lagers in Kunststoff-Halbzeugen.

Verhältnis zu meinen Eltern

Ich habe große Hochachtung vor dem Lebenswerk meiner Eltern, vor dem, was sie gemeinsam geschaffen und wie sie gelebt haben. Wenige Jahre nach der Währungsreform schon ein frei stehendes Einfamilienhaus zu besitzen ist für mich ebenso beachtlich wie 45 Jahre lang glücklich verheiratet zu sein, ungeachtet steigender Scheidungsraten in der Gesellschaft. Letzteres sicher auch ein Vorbild für mich.

 

Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie mein Hobby Amateurfunk und Satellitenbeobachtung toleriert haben trotz der damit verbundenen Unannehmlichkeiten wie Antennen im Garten und fremden Leuten im Haus. Und dass sie mich Physik haben studieren lassen, obwohl ihnen eine kaufmännische Lehre, allenfalls ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, für das Geschäft lieber gewesen wäre. Ein Physikstudium mit dem nahe liegenden Risiko, dass ich mal nicht ins Geschäft einsteigen, sondern beruflich etwas anderes machen würde. Sicherlich ist da auch bei uns drüber diskutiert, vielleicht auch gestritten worden, aber nicht mit der Verbissenheit, mit der andere Selbstständige früher ihre Kinder in die Nachfolge gezwungen haben.

 

Ich habe dies insbesondere meiner Mutter als verständnisvoller Wegbereiterin elterlichen Wohlwollens zu verdanken.

 

Im Gegenzug habe ich mich als Werkstudent im elterlichen Unternehmen nützlich gemacht, wann und wo immer es mir möglich war. Vom Versand über Werbung bis zur Buchführung. Es war mir nicht nur moralische Verpflichtung, sondern hat auch Spass gemacht. Und ich habe viel dabei gelernt. Den größten Nutzen brachte eine Rationalisierungsmaßnahme, für die es damals noch keine Computer und Software gab: Mit einem Durchschreibesatz von Formularen erreichte ich, dass keine Daten zweimal eingegeben werden mussten, von der Auftragsbestätigung über den Lieferschein bis zur Rechnung. Bei dieser Gelegenheit schuf ich auch das, was man heutzutage "Corporate Identity" nennt, inclusive einer firmenspezifischen Schrift und einem Firmenlogo, die sich in allen Inseraten wiederfanden.

 

Einen Satz aus dem abschließenden Zeugnis meiner Eltern könnte man elterlichem Wohlwollen zuschreiben, wenn er sich nicht später in ähnlicher Form auch in Zeugnissen bekannter Großunternehmen wiederfände: "Herr Reichert ist durch seine Vielseitigkeit, Ausdauer und die Gabe, sich in jede Thematik einzuarbeiten, dazu prädestiniert, aus dem Durchschnitt fallende Aufgaben zu erledigen."

Als ich mit 26 Jahren meine spätere Frau kennenlernte, wir uns Hals über Kopf verliebten, verlobten und heirateten, ohne dies zu „müssen“, kam es zu einer nachhaltigen Entfremdung zwischen meinen Eltern und mir. Mit der Schnelligkeit und Radikalität des Abnabelns überforderte ich sie, zumal ich mit meinem Studium noch nicht fertig war, wenig verdiente und noch keine Familie ernähren konnte.

 

Mit meiner Frau und mir ist es – Gott sei Dank – gut gegangen. Wir sind jetzt 45 Jahre glücklich verheiratet und ich habe seither viel Geld verdient. Ich habe mich aber oft gefragt, ob ich nicht mit behutsamerer Vorgehensweise und sorgfältigerer Wortwahl diese Entfremdung hätte verhindern können, ohne mein Kernanliegen zu gefährden. Damals hielt ich es für notwendig, um gar nicht erst eine Diskussion über mein Tun aufkommen zu lassen. Eine Diskussion, die mein Vater erfahrungsgemäß dazu genutzt hätte, der weiteren Entwicklung seinen Stempel aufzudrücken oder sie sogar zu verhindern.