AEG, DASA (1982 - 1994)

Stellenangebot der AEG Hamburg, auf das sich Achim Reichert bewarb.
Stellenangebot der UBI Unternehmensberatung im Auftrag der AEG Hamburg in der FAZ vom 26. September 1981. Hierauf bewarb sich Achim Reichert und erhielt den Zuschlag zum 01.01.1982.

Ich bewarb mich auf das o.a. Inserat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 26. September 1981 und erhielt den Zuschlag zum 1. Januar 1982. Auftraggeber des Inserats und mein neuer Arbeitgeber war der Geschäftsbereich Industrieanlagen, Schiffbau und Sondertechnik der AEG-Telefunken AG. Mit über 2 Milliarden DM Umsatz und 10.000 Mitarbeitern in 10 Fachbereichen und zugeordneten Beteiligungsgesellschaften war er damals der größte des Konzerns.

 

Als Leiter der Stabsstelle "Fertigungskonzeptionen und -Unterstützung" unterstand ich unmittelbar dem Leiter des Geschäftsbereichs Dr.-Ing. Claus Müller.

 

Und dies waren meine Aufgaben:

  • Verbesserung der Auslastung zugehöriger Produktionsstätten, insbesondere durch Verhinderung unbegründeter Fremdvergaben
  • Beiträge zur Verbesserung ihrer Wirtschaftlichkeit
  • Beurteilung größerer Investitionsvorhaben aus Produktionsbereichen nach stukturellen, kapazitätsmäßigen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten
  • Fachliche Federführung und Koordination aller Aktivitäten des Geschäftsbereiches auf dem Gebiet des Arbeitsschutzes. Vorsitzender der Arbeitsschutzkommission nach § 11 ASiG für die norddeutschen Betriebsstätten des Geschäftsbereiches.

Arbeitsschwerpunkte in dieser Zeit waren die

  • Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit einer Produktionsstätte im Raum Hamburg und deren Anpassung an rückläufige Auftragsvolumina
  • Verbesserung der Qualität in Frankreich gefertigter Mittelspannungs-schaltanlagen
  • Senkung der gerade im Bereich Schiffbau hohen Unfallzahlen

Im April 1982 wurde ich als ltd. Angestellter i.S. § 5 Abs. 3 BetrVerfG eingestuft. Im Oktober 1983 wurde ich von den ltd. Angestellten der Hamburger Betriebsstätten als ihr Wahlmann für die Wahl der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat nach Frankfurt entsandt.

 

Am 9. August 1982, just an dem Tag, an dem ich mit meiner Familie nach bestandener Probezeit unseren neuen Wohnsitz in die Nähe von Hamburg bezog, meldete AEG-Telefunken beim Amtsgericht Frankfurt Vergleich an. Das hatte nicht nur gravierende Auswirkungen auf die verlustbehafteten Bereiche des Konzerns, sondern auch auf unseren, der Gewinne erwirtschaftete.

 

1985 wurde AEG von Daimler übernommen. Im Zuge der Neuorganisation wurde unser großer Geschäftsbereich auf den ursprünglichen Kern "Marine- und Sondertechnik" mit vier Fachbereichen reduziert und hierfür eine neue Leitung bestellt. Auch die Unterstruktur wurde neu formiert. So wurden ab 01.07.1985 die beiden Stabsabteilungen Entwicklungskonzeptionen und Fertigungskonzeptionen und -Unterstützung zur neuen Hauptabteilung "Technische Konzeptionen und -Unterstützung zusammengefasst, deren kommissarischer Leiter ich zunächst wurde. Die fachliche Zuständigkeit für Fertigungsbelange blieb auch unter dem neuen Hauptabteilungsleiter erhalten, dessen Stellvertreter ich blieb.

 

Mein Arbeitsschwerpunkt in dieser Zeit war meine maßgebliche Mitwirkung bei der Realisierung des Standortkonzeptes Hamburg. Dieses bestand in der Aufgabe mehrerer Standorte und der Konzentration aller Aktivitäten an den verbleibenden Standorten, verbunden mit einem beträchtlichen Synergiepotenzial. Ich war Mitglied und Leiter mehrerer Projektteams, federführend für den Um- und Ausbau der Betriebsstätte Wedel und stellvertretender Projektleiter des Gesamtvorhabens. Bei dieser Gelegenheit lernte ich auch den Vorstandsvorsitzenden der AEG, Heinz Dürr, persönlich kennen und war beeindruckt, dass er sich bis zur nächsten Begegnung meinen Namen gemerkt hatte.

 

Mit Wirkung vom 01.01.1986 erhielt Achim Reichert Handlungsvollmacht, ab dem 01.01.1989 Prokura. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass mir zu dieser Ernennung viele aus dem Konzern gratuliert haben. So schrieb mir dazu beispielsweise ein für meine Arbeit wichtiger Mann aus der Zentrale: "Von allen durch die Vorstandsmitteilung xxx bekannt gemachten Ernennungen hat mich die Ihre am allermeisten gefreut."

Im Mai 1989 entstand unter Leitung des späteren Vorstandsvorsitzenden des Daimler-Konzerns, Jürgen Schrempp, die "Deutsche Aerospace AG" als neuer Unternehmensbereich des Daimler-Konzerns. Darin wurden die Bereiche MBB mit Airbus, Dornier, MTU und zwei Geschäftsbereiche von AEG zusammengefasst, u.a. dem unserigen. Für die beiden ausgegründeten Geschäftsbereiche der AEG wurde die Telefunken Systemtechnik GmbH (TST) als Mantel gegründet.

 

Mir wurde die Leitung des neuen Funktionsbereiches Qualitätssicherung übertragen, zu dem die Hauptabteilungen Qualitätssicherung an den Standorten Ulm und Wedel gehörten. Ich berichtete in dieser Funktion unmittelbar den für Technik zuständigen Geschäftsführer von TST, Dr.-Ing. Torolf Blydt-Hansen. Wichtigste Aufgabe in dieser Zeit war die Umstellung des Qualitätssicherungssystems und seiner Dokumentation im QS-Handbuch von der NATO-Norm AQAP-1 auf die zivile Norm DIN-ISO 9001 und die Harmonisierung der Gegebenheiten innerhalb der TST.

 

Im Zuge einer Neugliederung der DASA nach Produktbereichen verloren  solche standort- und bereichsübergreifenden Klammerfunktionen an Bedeutung und entfielen später ersatzlos. Ab 01.01.1992 wurde ich im neuen Produktbereich Energie- und Anlagentechnik in Wedel (bei Hamburg) mit technischem Controlling beauftragt. Aufgabenschwerpunkte:

  • Controlling eigenfinanzierter Entwicklungsvorhaben: Gegenüberstellung von Kostenhochlauf und technischem Fortschritt bei eigenfinanzierten Entwicklungsvorhaben und Aufzeigen markanter Probleme
  • Federführung bei Erstellung und Realisierung eines Fertigungskonzepts mit erheblicher Personal-, Betriebsmittel- und Flächeneinsparung
  • Straffung des Raumbedarfs in Anpassung an rückläufige Auftragsvolumina
Spiegel Artikel über Personalabbau bei Deutscher Aerospace (DASA)
Der DASA brechen die Aufträge weg. 16.000 Arbeitsplätze werden abgebaut. DER SPIEGEL 43/1993.
DASA zieht sich vom Standort Wedel zurück.
Die DASA zieht sich von unserem Standort Wedel zurück. Hamburger Abendblatt vom 21.10.1993.

Aufgrund gravierender Verschlechterung ihrer unternehmerischen Rahmen-bedingungen sah sich die DASA im Herbst 1993 veranlasst, ihre Aktivitäten zu straffen, sich von 16.000 Mitarbeitern zu trennen, mehrere Werke zu schließen und sich auch von unserem Standort Wedel zu trennen. Gut ein Jahr später, zum 31.12.1994, schied ich aus betriebsbedingten Gründen mit einem Aufhebungsvertrag und angemessener Abfindung aus den Diensten der DASA.

 

Im Zeugnis bescheinigte die Deutsche Aerospace Achim Reichert u.a.

  • hohe Einsatzbereitschaft und Eigeninitiative,
  • starke Belastbarkeit auch in Stresssituationen,
  • ausgeprägtes Kostenbewusstsein,
  • die Fähigkeit, sowohl in großen Zusammenhängen zu denken, als auch den Dingen detailliert auf den Grund zu gehen,
  • Teamfähigkeit, Mitarbeiter und Projektgruppen zielbewusst zu führen und zu motivieren,
  • durch seine Persönlichkeit, umfangreiches Fachwissen und Kompetenz zu überzeugen.

 

Heute ist die DASA in der EADS aufgegangen (European Aeronautic Defence and Space Company), von wo ich auch meine Betriebsrente beziehe. Mit ca. 50 Mrd. Jahresumsatz und über 130.000 Mitarbeitern an 70 Standorten ist die EADS Europas größter Luft- und Raumfahrt- sowie Europas zweitgrößter Rüstungskonzern.